
Susanne Clauss
Unsere Ernährung ist weit mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks. Siebetrifft unsere Gesundheit, unsere Versorgungssicherheit, unsere Umwelt und die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Genau hier setzt die Ernährungsinitiative an – und deshalb braucht es am Abstimmungstag ein klares Ja.
Die Schweiz ist heute stark von Importen abhängig. Gleichzeitig geraten Böden, Trinkwasser und Biodiversität zunehmend unter Druck. Im Seeland sind wir bereits dramatisch betroffen von schwindenden Böden und übermässig belastetem Trinkwasser. Eine sichere Lebensmittelversorgung ist nur möglich, wenn diese natürlichen Lebensgrundlagen erhalten bleiben. Die Initiative stärkt die inländische Produktion, schützt Boden und Grundwasser, fördert natürliches Saatgut und strebt einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent an. Angesichts geopolitischer Krisen, fragiler Lieferketten und des Klimawandels ist dies verantwortungsvolle, vorausschauende Politik. Ideologie ist nicht der Wandel zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft –Ideologie ist das Festhalten an der Heidi-Idylle aus Kühen, Milch und Käse.
Das Argument, die Schweiz sei ein Grasland und eigne sich deshalb vor allem für die Tierhaltung, greift viel zu kurz. Zwar können Berggebiete kaum ackerbaulich genutzt werden. Im fruchtbaren Mittelland werden jedoch rund 60 Prozent der offenen Ackerfläche für den Anbau von Tierfutter wie Futtergetreide oder Silomais verwendet. Der grösste Teil dieser Flächen könnte direkt Lebensmittel für den Menschen produzieren und den Selbstversorgungsgrad wesentlich effizienter erhöhen. Ernährungssicherheit ist deshalb nicht nur eine Frage der Topografie, sondern vor allem der landwirtschaftlichen Prioritäten.
Mehrpflanzliche Lebensmittel bedeuten zudem einen geringeren Ressourcenverbrauch, weniger Umweltbelastung und eine effizientere Nutzung unserer begrenzten Ackerflächen. Gleichzeitig sollen Subventionen und Forschung konsequent auf Ernährungssicherheit, Biodiversität und den Schutz unseres Trinkwassersausgerichtet werden. Öffentliche Gelder sollen eine Landwirtschaft fördern, die unsere Lebensgrundlagen erhält – nicht belastet.
Als Hebamme darf ich jeden Tag neues Leben willkommen heissen. Ich sehe die Freude, aber auch die Hoffnungen und Sorgen werdender Eltern. Die Kinder, die heute geboren werden, werden mit den Entscheidungen leben müssen, die wir heute treffen. Ihnen gesunde Böden, sauberes Trinkwasser und eine sichere, nachhaltige Lebensmittelversorgung zu hinterlassen, ist für mich keine politische Nebensache, sondern eine existentielle Verantwortung. Gerade deshalbüberzeugt mich diese Initiative – nicht nur als Politikerin, sondern auch als Hebamme.
Wer Ja stimmt, entscheidet sich für sauberes Trinkwasser, gesunde Böden, eine widerstandsfähige Landwirtschaft und eine sichere Lebensmittelversorgung. Die Ernährungsinitiative verbindet ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft und stärkt die Unabhängigkeit der Schweiz.
- Darum braucht es ein überzeugtes JA zur Ernährungsinitiative!