
Kevin Solioz
Während meiner Ausbildung zum Landwirten bin ich oft darüber erschrocken, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen, der Luft, dem Wasser und dem Boden umgehen. Die hohe Menge an Nutztieren in der Schweiz führt zu mehreren Problemen für die Umwelt. Von den tierischen Ausscheidungen gelangt Stickstoff in Form von Ammoniak in die Luft. Aus der Luft gelangt der Stickstoff dann wieder auf die Böden und so werden diese aus der Luft gedüngt. Für einen Acker mag der zusätzliche Dünger gut sein, aber viele Ökosysteme reagieren sehr empfindlich darauf und geraten aus dem Gleichgewicht. Nicht nur in der Luft ist der Stickstoff ein Problem, sondern auch im Trinkwasser. Dort ist er in Form von Nitrat krebserregend. Dass wir Trinkwasserfassungen schliessen müssen, weil das Wasser aufgrund zu hohe Nitratbelastung nicht mehr geniessbar ist, finde ich besorgniserregend. Ein weiteres Problem der intensiven Nutztierhaltung ist der Phosphor. Dieser gelangt ins Wasser und führt zur Überdüngung von Seen wie es zum Beispiel in mehreren Seen in der Zentralschweiz bereits der Fall ist. Durch übermässiges Algenwachstum kommt es in diesen Seen irgendwann zu einem Ökosystem-Kollaps.
Im Moment bildet die Schweizer Landwirtschaft nicht das ab, was auf unseren Tellern landet. Wenn wir mehr von unserem Essen selber produzieren wollen, müssen wir auch die Anzahl der Nutztiere reduzieren. Das würde gleich mehrere Vorteile bringen. Die pflanzliche Ernährung ist nicht nur sehr gesund, sie ist auch in der Produktion viel effizienter und nimmt weniger Fläche in Anspruch. Statt zum Beispiel Soja anzubauen, es zu verfüttern und dann das Tier zu essen, könnten wir auf dieser Ackerfläche direkt menschliche Nahrung produzieren. Weil wir durch die geringere Nutztierhaltung dann weniger Futter importieren müssten, würde uns das auch unabhängiger vom Weltmarkt machen. Zudem wird die Umwelt dann weniger durch Emissionen aus der Tierhaltung belastet. Natürlich ist ein grosser Teil der Schweizer landwirtschaftlichen Nutzfläche steil und nicht ackerfähig. Dort macht es auch weiterhin Sinn, das Gras für Kühe und andere Wiederkäuer zu nutzen.
Die Initiative würde ausserdem auch die Voraussetzungen schaffen, das Wasser, eines unserer wertvollsten Güter, besser zu schützen.
Ich unterstütze die Ernährungsinitiative, weil ich überzeugt bin, dass sie ein Schritt in die richtige Richtung ist. Ein Schritt hin zu einer Landwirtschaft, die auch zukünftige Generationen mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen kann.